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Ruhrnachrichten - 23.06.2007

 

Ein moderner Archäologe

Dirk Kreckel sammelt Fotos von Graffiti und hält so die vergängliche Kunst fest

Ergste. In Sidney lief ihm der Comic-Kater über den Weg. An einer Häuserwand fotografierte Dirk Kreckel das riesengroße Felix-Graffiti. Drei Tage später prangte schon ein völlig anderes Bild an dieser Stelle.

Das war 1997, und dem Schwerter wurde zum ersten Mal bewusst, wie vergänglich diese Sprühkunst ist. Er beschloss, sie auf seinen Fotos festzuhalten. Über 30.000 hat er seitdem auf den Auslöser gedrückt.
Indonesien, Südafrika, Brasilien, Kanada – als Reiseleiter ist Kreckel viel in der Welt herumgekommen. Wenn die Reisegruppen schon im Hotel schliefen, lief er durch die Stadtteile, in die sich sonst keiner traut, und fotografierte die Kunstwerke an den Wänden. Kunstwerke wohl gemerkt, denn geschmierte Schriftzüge, „Tags“ genannt, findet er nicht gut. „Anfangs habe ich alles aufgenommen – ich wollte nicht beurteilen, was gut ist und was nicht“, erzählt der 42-jährige. Mit der Zeit bekam er aber ein Gespür für das Potenzial dieser Kunst.

Rest in Peace
Mit geschlossenen Augen sitzt ein junger Mann auf einer grünen Wiese. Durch seinen Hut fährt ein Zug, vor ihm liegt eine Spritze. „Rest in Peace“ (Ruhe in Frieden) steht auf dem aufgeschlagenen Buch in seinem Schoß. Unter einer U-Bahn-Unterführung in München wollte der Sprayer „Won“ mit diesem Graffiti an einen Freund erinnern. Auch Kreckel war von dem „Piece“ (Stück) fasziniert. „Die dazugehörige Geschichte habe ich dann auf dem Rückflug in der Süddeutschen Zeitung gelesen“ erinnert er sich an dieses besondere Stück aus seiner Foto-Sammlung. Über 40 Aktenordner hat er in seiner Wohnung in Ergste gelagert. Säuberlich sortiert finden sich hier Kontaktabzüge, Negative und Fotos. „Durch die Digitalfotografie ist natürlich vieles einfacher geworden.“ betont er. In einem alten Koffer lagern gerahmte Abzüge. „Am Anfang wollte ich die auf Kunstmärkten verkaufen“, erklärt der Graffiti-Fan. Auch Postkarten ließ er damals drucken. Mittlerweile verdient er sein Geld als Vermittler von Sprayern (an Wandbesitzer).
Seitdem hat er nicht so viel Zeit für seine eigentliche Leidenschaft, das Fotografieren. Dennoch glaubt Kreckel, dass er das größte Graffiti-Archiv in Europa besitzt. Auf seiner Homepage stellt Kreckel einen Ausschnitt seiner Beutekunst vor. Geordnet nach Jahren sind hier Arbeiten zu sehen. Auch wenn Kreckel nie selbst gesprayt hat, ist er in der Szene anerkannt. „Manchmal rufen Größen der Szene bei mir an, weil sie ein Foto für ihre Ausstellung brauchen“, erzählt der Schwerter.

Untergrundkunst
Denn Graffiti ist längst mehr als Untergrundkunst – Graffiti ist hip. Manche Künstler erzielen Tausende Euro für ihre Werke. Und „Graffiti ist gleichzeitig der beste Schutz gegen die Schmierereien, über die sich viele Leute so gerne aufregen“ - findet Kreckel. Trotzdem bleibt es eine flüchtige Kunst. Zwei bis drei Jahre, länger halten die Bilder meistens nicht. „Das ist wie moderne Archäologie“, erklärt Kreckel die Faszination seiner Sammlung.

 

Graffiti-Galerie - Dirk Kreckel  | info@graffiti-galerie.de