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Westfälische Rundschau Siegen - 20.11.2001

Sprayer gegen Sprayer

Im Bahnhof Kunst aus der Büchse

Profi-Graffitis an den Wänden / Jede Menge Heimatmotive sorgen für Atmosphäre

Eiserfeld. Die Deutsche Bahn AG setzt Sprayer gegen Sprayer ein. Im Eiserfelder Bahnhof stehen im Auftrag des Schienenunternehmens Profis mit Sprühdosen vor der Wand. Sie spritzten Kunstwerke aus der Büchse. Heimatmotive beispielsweise. Die Vorlagen stellte der Heimatverein zur Verfügung. Gerd Kiesewetter vom Bahnmanagement erhofft sich von dieser Auftragskunst: Wenn professionelle Sprayer die Wände bereits in Beschlag genommen haben, vergeht den wilden Sprayern die Lust an der Malerei per Düse. Aus Iserlohn holte Kiesewetter drei Fachleute vor die Eiserfelder Bahnhofswände. Das sind Stefan Dressler, der seine autodidaktische Grundausbildung im Sprühen u. a. an Garagentoren ableistete, Dirk Kreckel und Patrick Horn. Sie kommen von der Iserlohner Graffiti-Galerie.

Das Profi-Sprayer-Trio der Iserlohner Graffiti-Galerie verschönte den Eiserfelder Bahnhof

Ihnen gemeinsam ist: Sie wollen die Welt flächendeckend bunt und schön machen. Jetzt ist der Eiserfelder Bahnhof dran. Kiesewetter ist voll des Lobes: "Prima Arbeit, meine Herren." Das hat natürlich Folgen: Die Bahn wird ihnen weitere Aufträge zukommen lassen.
Die "Kunst am Bahnhof" ist formatfüllend. Clou an der Sache: Die Werke erhalten nach Fertigstellung eine strapazierfähige Oberfläche aus Siegellack. Das bringt enorme Vorteile: Übersprühen wilde Sprayer die Profibilder, können die Schmierereien einfach weggewischt werden. Ausserdem: Die Schöpfungen werden per Videokamera überwacht. Die filmen jeden, der unbefugt die Sprühdose zückt um "nachzubessern".
Der Schaden den bei Nacht und Nebel aktive und organisierte Sprühgruppen der Bahn zufügen, kann sich sehen lassen: Im Kreis Siegen-Wittgenstein sowie in angrenzenden Regionen der Kreise Olpe und Altenkirchen mussten im Jahr 2000 rund 430.000 DM aufgebracht werden, um Sprühlack zu entfernen. U. a. kleisterten Sprayer 2.500 Quadratmeter Reisezugblech ein.
Sprayer bilden mit Vorliebe Horden. Die spritzen dann orchestral Farbe an die Wand. Da die Flächen allmählich knapp werden, wird die Sprühkunst oft von Konkurrenz-Crews satt überlackiert. Das lassen sich die Produzenten der ersten Farbschicht natürlich nicht bieten. Es setzt Hiebe. Da rotieren Baseballschläger und knattern Gaspistolen. Wie die Kripo recherchierte, operierten im Großraum Siegen acht Cliquen, die unter Gasdruck stehende Farbbüchsen und dicke Knüppel einsetzten.
Gerd Kiesewetter musste alle zwei Jahre illegal gefertigte Graffiti von den Innenwänden des Eiserfelder Bahnhofs rubbeln und kratzen lassen. Dabei fielen jeweils Kosten in Höhe von 10.000 DM an. Gerd Kiesewetter setzt video-überwachte und durch Plastikhäute geschützte Profikunst mit heimatlichen Motiven dagegen. Mal sehen, wie das wirkt. Das Eiserfelder Modell könnte Schule machen.

Graffiti-Galerie - Dirk Kreckel  | info@graffiti-galerie.de